Aktuelle Zeit: 17.10.2019, 10:10




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
 16 Tage, 8 Stadien, 9 Spiele, 8.000 km 
Autor Nachricht
Benutzeravatar

Registriert:
06.11.2007, 18:17

Beiträge:
2527

Dauerkarte:
Block 82
Beitrag 16 Tage, 8 Stadien, 9 Spiele, 8.000 km
Die beiden noch fehlenden Stadien auf unserer Tour durch Polen und die Ukraine standen noch auf dem Programm. Da bekanntlich vorher nicht fest steht ob und wenn, in welchem Viertelfinale die eigene Mannschaft spielt, haben wir uns dazu entschlossen beide Spiele zu besuchen. Vom Südosten der Ukraine bis in den Norden von Polen haben wir damit beide Gastgeberländer ausgiebig bereist und auch jedes Stadion ein Mal besucht. In diesem letzten Bericht zu unserer Tour durch Polen und die Ukraine gibt es abschließend auch noch einige Reisetipps - hauptsächlich für die Ukraine.

Nach dem Spiel in Posen hatte ich ein kleines Hotel weit außerhalb gebucht. Unter 100 Euro war in Posen kein Zimmer mehr zu bekommen. Nur auf einem Zeltplatz hätte ich noch für 70 Euro unterkommen können. Da der Rest der Truppe sowieso entlang dieser Strecke die Nacht durch nach Deutschland fuhr, wäre es eigentlich kein großes Problem gewesen, mich dort eben abzusetzen. Unglücklicherweise war die Ausfahrt bei der Stadt Swiebodzin gesperrt. Auf den polnischen Maut-Autobahnen sind Ausfahrten wohl auch nicht so günstig zu errichten. Die Nächste folgte erst nach weiteren 30 Kilometern. Zähneknirschend traten wir den Umweg an. Mit einer Stunde Verspätung erreichte die verbliebene Omega-Besatzung dann um 6:30 Uhr Gütersloh.

Auf nach Warschau

Für mich ging es am nächsten Morgen mit einem EC direkt nach Warschau. Der Zug war passenderweise mit einer schwarz-rot-goldenen Lok ausgestattet und steigerte bereits die Vorfreude auf das deutsche Viertelfinale ein paar Tage später. In Warschau hatten wir über die Webseite http://www.wimdu.de ein Appartement bei einer Privatperson gebucht. Der Informationsaustausch mit dem Vermieter verlief jedoch nur recht schleppend. So bekam ich erst bei meiner Ankunft, eine genaue Adresse und einen Zugangscode per SMS. Das Appartement lag in einem Vorort unweit des Stadions. Einige der Häuser hier hatten seit dem letzten Krieg wohl keine Farbe mehr gesehen und hinterließen keinen guten Eindruck. Unser Gebäude war deutlich neuer, jedoch war die Wohnung selbst in einem erbärmlichen Zustand: Schimmel im Kühlschrank, Haare auf dem Boden und Dreck in allen Ecken. Bettwäsche war nur für eine Person vorhanden. Da noch keine Bezahlung erfolgt war, fruchtete eine Beschwerde beim Vermieter recht schnell. Nach einer längeren Putzaktion seinerseits konnte ich dann doch noch einziehen.

Da mich die Probleme mit der Wohnung den kompletten Nachmittag gekostet hatten, blieb keine Zeit mehr eine Bar für die Abendspiele zu suchen. Die Fan Zone musste herhalten. Hier wurden beide Spiele auf Großbildleinwänden gezeigt. Das Spiel der Franzosen gegen die Schweden wurde auf zwei Leinwänden übertragen und zog immerhin handgezählte 29 Leute an. Viel mehr der Froschliebhaber dürften es wohl auch kaum ins Stadion geschafft haben. Das Spiel der Ukraine gegen die Engländer war deutlich beliebter und der Platz vor den drei Leinwänden füllte sich gut bis zur Halbzeit.

Ziemlich umständlich ist in Polen übrigens der Bierverkauf in den Fan Zonen. Entweder muss man sich an meist komplett überfüllten Kassen spezielle Münzen besorgen oder die Bezahlung ist nur mit einer speziellen Prepaid-Kreditkarte eines Sponsors möglich. Diese werden zwar an jeder Ecke verkauft, jedoch ist mir bis heute nicht klar, wie man an das verbliebene Guthaben kommt. In der Ukraine war dies wesentlich unkomplizierter und überall Barzahlung möglich. Zudem gab es auch lokales Bier, wie in Südafrika. In Polen bekam man nur den Sponsoren-Gerstensaft. In den Stadien selbst benötigt man zwar keine Chips oder Bezahlkarten, aber dort gibt es nur alkoholfreies Bier (Polen) oder Leichtbier (0,5% Ukraine).

Nachdem der Omega am Donnerstag früh wieder eintraf wurden bei einem Supermarkt-Einkauf gleich einige EM-Souvenirs eingesammelt. Viele Dinge waren bereits deutlich reduziert. Speziell alles in rot und weiß ging mit 50-75 Prozent Rabatt über den Ladentisch. Wer also zum Halbfinale oder Finale fährt, sollte mal einen Blick in die großen Supermärkte werfen. Fast alle hatten verschiedene EM-Artikel zu deutlich günstigeren Konditionen als die Stände in der Fan Zone oder im Stadion im Angebot.

Für das erste Viertelfinale fehlten uns noch zwei Karten. Mehrere Stunden vor Spielbeginn lag der günstigste Preis bei 80 Euro für eine Karte der zweiten Kategorie. Das war Originalpreis. Da die beiden Mitfahrer nur gut 100 Euro für zwei Tickets der dritten Kategorie ausgeben wollten pokxxxerten Sie bis zum Anpfiff. Leider waren sie heute nicht erfolgreich. Insgesamt war die Situation auf dem Schwarzmarkt bei allen von uns besuchten Spielen aber meist sehr entspannt für die Käufer. Da wir selbst noch einige Tickets übrig hatten, können wir ein Lied davon singen. Für wenige Karten haben wir noch den Originalpreis von gut 30 Euro in der dritten Kategorie bekommen. Oft mussten wir die Karten zum Teil deutlich darunter verkaufen. Einige haben wir auch verschenkt, weil sich kein Käufer fand. Selbst beim deutschen Viertelfinale in Danzig wurden Karten unter Preis (30 Euro für Kategorie 3) verkauft. Eine knappe Stunde vor Anpfiff reckten dort noch dutzende Verkäufer ihre Tickets in die Luft.

In Warschau sahen wir am Abend ein eher langweiliges Spiel ohne große Höhepunkte. Irgendwie war es für uns kaum vorstellbar, dass eine dieser beiden Mannschaften Europameister wird. Für Stimmung im Stadion sorgten meist die vielen Polen. Mehr als einen eigenen Gesang brachten Sie aber auch nicht zu Stande.

Schöner Abschluss in Danzig

Über hauptsächlich Landstraßen fuhren wir am kommenden Morgen weiter nach Danzig. Auf der Fahrt haben wir noch schnell ein Hotel im 20 Kilometer entfernten Gdynia gebucht. Für gut 20 Euro pro Person bekamen wir dort recht einfache Zimmer die allerdings nur 150m Luftlinie von der Ostsee entfernt lagen. In Danzig erwartete uns, wie in Warschau und Breslau, ein Neubau mit beleuchteter Fassade. Wie alle anderen Stadien bei dieser EM präsentierte sich auch der Spielort in Danzig in Top-Verfassung. Ähnlich der Bauten in Südafrika stellt sich jedoch auch hier bei ausnahmslos allen Spielorten die Frage der Wirtschaftlichkeit. Die Spiele von Lechia Gdansk in diesem Stadion im letzten Jahr haben selten mehr als 20.000 Zuschauer verfolgt. Allein durch Eintrittspreise ist so ein Bau nur schwer instand zu halten und erst recht nicht zu finanzieren. Genauso sieht es in Posen, Breslau und allen ukrainischen Spielorten aus. Bei Liga-Spielen in Donetsk und Lemberg kommt man z.B. für 2 Euro ins Stadion. Für 10 Euro sitzt man auf Höhe der Mittellinie auf der Haupttribüne. Hier kommen zumindest deutlich mehr Zuschauer.

Das spannende und torreiche Viertelfinale der deutschen Mannschaft bildete einen schönen Abschluss unserer Tour, die wir spontan noch um einen Tag bei schönem Wetter in Danzig verlängerten. Unser Versuch am nächsten Tag der Auslosung des DFB-Pokals beizuwohnen scheiterten leider an einer recht hartnäckigen Wachfrau am Eingang zum DFB-Medienzentrum. Ein paar Fans hätten dabei wohl kaum gestört.

Die Rückfahrt nach Deutschland zog sich wie Kaugummi über die polnischen Landstraßen. Entlang der Straßen sahen wir wiederholt Verkäufer(innen) stehen und sitzen. In der Ukraine wurden meist rote Beeren in großen Einmachgläsern angeboten. In Polen waren es meist schwarze Beeren, Honig und Nüsse. Je näher wir Deutschland kamen, desto öfter verschwanden sowohl die Einmachgläser wie auch große Teile der Bekleidung der nun ausschließlich weiblichen Verkäuferinnen. Gegen Abend endete dann die EM-Tour nach 12 Stunden Fahrt vorerst. Für zwei Kurztrips geht es noch einmal zurück: Am Mittwoch kommt der Omega wieder zum Einsatz und bringt uns für einen Tagestrip nach Warschau zum deutschen Halbfinale. Zum Finale geht es dann am Samstag ab Düsseldorf mit dem Flugzeug. Dies ist nach über 8.000 gefahrenen Kilometern in 16 Tagen durch alle acht EM-Spielorte und 09 besuchten Spielen allerdings der letzte Bericht hier. Ein paar weitere Kurzberichte wird es noch auf unsere Facebook Seite geben.


Dateianhänge:
6_9.JPG [99.76 KiB]
Noch nie heruntergeladen
6_10.JPG [90.05 KiB]
Noch nie heruntergeladen
6_7.JPG [68.33 KiB]
Noch nie heruntergeladen
6_5.JPG [100.71 KiB]
Noch nie heruntergeladen
6_3.JPG [94.84 KiB]
Noch nie heruntergeladen
11.07.2012, 01:05
Profil
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron
Impressum
Powered by phpBB © phpBB Group, Board3 Portal © 2009 - 2011 Board3 Group, phpBB Social Network Kamahl & Culprit © 2010, 2011. Designed by Vjacheslav Trushkin for Free Forums/DivisionCore. Deutsche Übersetzung durch phpBB.de.